Wenn man seine Anwaltsstation fürs Referendariat plant, würde man sich am liebsten immer mit einem Alumni auf ein Glas Wein zusammensetzen und fragen „Wie war‘s eigentlich?“
Grab your glass – here it goes…
Mein Start
Meine Station begann bei gemütlichen 34 Grad im Berliner Juli. Oder fing sie schon etwas früher an? Schon eine Woche vor meinem Start habe ich von Katharina einen Fragebogen zugeschickt bekommen, in dem es wichtige Fragen zu beantworten gab: Was ist eigentlich mein liebstes Pizzatopping? Und welchen Film sollte ich mal wieder anschauen? Damit war bereits der Ton angeschlagen, der meine Station bis jetzt begleitet hat. Kein erzwungener Smalltalk in Kaffeeküchen oder halbherzige Juragespräche im Fahrstuhl – hier geht es immer um die wichtigen Themen!
Ich hatte mich für WAGNER Arbitration entschieden, weil ich einen vertieften Einblick in die anwaltliche Praxis im (Schieds-) Verfahrensrecht gewinnen wollte und weil mich die besondere Mischung aus Internationalität und sichtbarer Teamkultur schon sein Moot Court Zeiten angesprochen hat.
Diese herzliche und ehrliche Art hat sich sofort bestätigt und den Einstieg schnell und easy gemacht. Nach kurzer Zeit war ich eingelebt und fühlte mich arbeitsfähig. Der Kanzleileitfaden und die buchstäblich immer offenen Türen haben alle kleineren Anfangsfragen schnell gelöst. (Kein Handbuch kann aber die ersten Instruktionen von Philipp ersetzen, wie eine gute E-Mail an den Mandanten aussieht.) Gleichzeitig mit mir hat auch Giulio als wissenschaftlicher Mitarbeiter angefangen, Jonathan stand schon als eingesessener Referendar für Fragen bereit und auch Iremgul war als visiting professional schon mit den Abläufen vertraut. In der Werkstatt fand also direkt ein kleiner „Think Tank“ der Berufseinsteigenden statt.
Meine Tätigkeit
In meiner Station habe ich eine „bunte Tüte“ an juristischer Arbeit erlebt.
Von Schriftsätzen in zivilgerichtlichen und schiedsgerichtlichen Streitigkeiten, Recherchetätigkeiten, Kommunikation mit der Mandantschaft und dem Erstellen einer Datenschutzerklärung bis zu kanzleiinternen Aufgaben wie dem Helfen am Empfang, dem Vorbereiten von Veranstaltungen und den Feinheiten der Kanzleiwebseite ist alles dabei. Auch inhaltlich reichen die Themen von komplexen Fragen des Schiedsverfahrensrechts bis zum bread and butter der Referendar*innen. So habe ich mich mit der Zulässigkeit der negativen Feststellungswiderklage beschäftigt, der Formulierung von Feststellungsanträgen und dem Tatbestandsberichtigungsantrag. Ich durfte auch Gerichtsverfahren begleiten und war in einigen Fällen unmittelbare Ansprechperson für die Mandantschaft.
Ein unerwartetes Highlight der Station war für mich die strategische Auseinandersetzung mit Streitigkeiten. Nach einem Jahr Zivilgericht/Staatsanwaltschaft/Verwaltung bekommt man schnell den Eindruck, Konflikt = Klage. Die vielen Nuancen und Deeskalationsstufen, die man als Anwalt*in kennen sollte, werden uns kaum vermittelt. Ich fand es spannend, auch hierfür Strategien zu entwickeln und mich z. B. mehr mit der Möglichkeit der Mediation auseinanderzusetzen.
Überrascht hat mich auch, dass ich mich materiell-rechtlich mit der vollen Breite zivilrechtlicher Fälle beschäftigen durfte. Ursprünglich habe ich einen großen Schwerpunkt im Gesellschaftsrecht erwartet. Das Team hat aber darauf geachtet, dass ich auch mit vielen examensrelevanten Fragen konfrontiert wurde, etwa den Feinheiten des Delikts- und Bereicherungsrechts, dem Handelsvertreterrecht, dem Sachenrecht und ein bisschen Arbeitsrecht.
Besonders geschätzt habe ich, dass ich eigenverantwortlich arbeiten durfte, zugleich aber immer auf direktes Feedback zählen konnte. Gerade die intensive Begleitung hat dafür gesorgt, dass ich viel aus meinen Aufgaben lernen konnte; fachlich wie auch im Hinblick auf Mandantenkommunikation und Stil.
Das Miteinander
Was mir besonders in Erinnerung bleiben wird, ist die Atmosphäre im Team. Nach dem oben Gesagten überrascht das vielleicht nicht mehr, aber die Zusammenarbeit ist hier einfach etwas Besonderes. Bei WAGNER wird viel gelacht und immer auf Augenhöhe offen diskutiert. Der Freitagslunch ist längst legendär und spätestens beim Jazzabend merkt man, dass hier Menschen arbeiten, die ihre Arbeit ernst nehmen, ohne dabei den Rest zu vergessen.
Vor allem mit Petrit, Julian und Florian in der Werkstatt hatte ich immer Ansprechpartner in Rufweite, und mit Zeineb und Katharina zwei Menschen, die wirklich alles im Blick haben und jede Frage rund um die Kanzlei beantworten können (Zeineb kennt übrigens auch immer die besten Gummibärchen).
Diese Mischung aus Professionalität und Leichtigkeit hat meine Station besonders gemacht.
Was lernt man während der Anwaltsstation bei WAGNER Arbitration?
- Wie man einen Schriftsatz schreibt. Ich habe keine Textbausteine oder kleinere Recherchen zu den Schriftsätzen anderer beigetragen, sondern durfte selbst von der Formulierung des Antrags und der Widerklage bis zu den Beweismitteln alles selbst durchdenken. Natürlich macht man dabei auch Fehler, aber aus denen lernt man bekanntlich am meisten. Insbesondere Josephs Instruktionen, wie man ein juristisches Argument überzeugend strukturiert, werden in Zukunft mit Sicherheit noch hilfreich sein! Schon jetzt habe ich in den AG-Klausuren gemerkt, dass sich eine gewisse Routine beim Erstellen des „praktischen Teils“ einstellt.
- Wie man für eine größere Gruppe mit Lebensmittelunverträglichkeiten kocht, von denen man noch nie gehört hat. (Es ist erstaunlich, wo überall a) Sesam, b) Reis und c) Weizen enthalten sind.) In den Monaten meiner Station habe ich freitags richtige Festmähler genossen und mit Giulios italienischen Gerichten und Florians französischer Küche noch eine kleine Europareise gemacht. Von der Weinbegleitung ganz zu schweigen!
- Wie funktioniert eigentlich eine Kanzlei und was gehört alles dazu? Von der täglichen Mandatskommunikation über Fristenmanagement und Aktenführung bis hin zu Veranstaltungsorganisation und Öffentlichkeitsarbeit bekommt man hier einen Rundumblick. Dabei merkt man schnell: Eine gute Kanzlei funktioniert nur als Team. Bürokultur, Kommunikation nach innen und außen und ein Auge für Detailfragen bekommt man „en passant“ vermittelt.
Mein Fazit
Diese Station war unglaublich abwechslungsreich, kommunikativ und lehrreich. Egal, ob man seit dem ersten Vorlesungstag Anwalt oder Anwältin werden wollte oder die Frage „Was machst du dann eigentlich nach dem Examen?“ immer noch gruselig findet – diese Station macht Spaß, ist kurzweilig und man lernt wahnsinnig viel über den Beruf. Sie ist eine tolle Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte und die mich mein ganzes Berufsleben lang begleiten wird.